Den Wolf zum Abschuss freigeben? Gerechtfertigt aufgrund wirtschaftlicher Interessen?

Soll der Wolf zum Abschuss durch Jäger freigeben werden weil er Schafe und andere Weidetiere reißt. Jäger und Wolf im Wald.

Soll der Wolf aufgrund von wirtschaftlichem Schaden zum Abschuss freigegeben werden?

Da haben die österreichischen Medien in letzter Zeit wieder etwas gefunden.

Das Thema Wolf und das er vermehrt Nutztiere, vor allem Schafe reißt. Von regelrechten Gemetzeln wird gesprochen, die Emotionen vor allem in Social Media gehen wieder hoch….

Warum ein Wolf oder ein Wolfsrudel womöglich gleich mehrere Schafe bestialisch reißt, erlegt oder ein Gemetzel veranstaltet, ohne die Beute dann auch als Nahrung zu fressen (wenn es denn überhaupt tatsächlich so geschieht und nicht nur der Aufmerksamkeit dienen soll) weiß ich nicht.

Wir haben Spezialisten hierfür in Österreich und sich auch in anderen Ländern. Ein Wolf Science Center zum Beispiel, einen Kurt Kotrschal, einen VGT und andere Tierschutzorganisationen. Leider haben sich sachliche Meinungen dazu offensichtlich weniger verbreitet oder Beachtung in den Mainstream Medien gefunden.

Dazu kann ich also zum gegenwertigen Zeitpunkt nicht Stellung beziehen, wie gesagt, gibt Menschen vom Fach dafür.

Reden wir einmal von Zahlen und Relationen, auch dazu maße ich mir nicht an, korrekte Werte liefern zu können, es war eine quick & dirty Recherche, die mir aber plausibel erscheint.

Es ist die Aufgabe eines Landwirtschaftsministeriums hier für sachliche Aufklärung der Bevölkerung zu sorgen und dies ebenso in die Medien zu transportieren. Das hat unsere Bundesregierung auch in einer Coronapandemie geschafft und uns mit Zahlen versorgt.

Das sollte auch für die Landwirtschaft gelten, denn wir brauchen ein Miteinander und Transparenz.

Relationen, nun wir relativieren alles. Es bleibt uns nicht erspart.

Wir relativieren Impfschäden, wen es betrifft, der ist die arme Sau. Pech gehabt. Bleibt nur auf eine funktionierende Unterstützung vom Staat dann zu hoffen, um Schicksalsschläge dann noch halbwegs verkraften zu können. Die statistischen Vorteile der Impfung überwiegen, auf das Individuum und das Gesamtwohl betrachtet. Es geht hier nicht um dieses Thema und ich positioniere mich hier nicht dazu, aber es ist halt ein aktuelles Thema und es geht mir um den Vergleich von individuellen Schicksalsschlägen. Hierfür gibt es auch zig andere mögliche Vergleiche, womöglich bessere, es kam mir halt gerade in den Sinn.

Also sind in diesem Fall die Bauern, die Landwirte und -innen „die arme Sau“, wenn Ihnen die gezüchteten und aufgezogenen Schafe getötet werden. Es entsteht ein wirtschaftlicher Schaden, wer soll den ersetzen? Natürlich haben die Viehbauern ein Recht darauf gehört zu werden. Der individuell betroffene wird selbstverständlich und zurecht um Hilfe ansuchen.

Wie ist es geregelt, wenn Hagel, Dürre, Überflutungen etc. dem Landwirtschaft Schäden in Millionenhöhe verursachen? Kann das nicht auf das Wolfsthema übertragen werden? Hierfür muss es doch Spezialisten geben oder ist dem Missbrauch und Versicherungsbetrug dann Tür und Tor geöffnet? Es wäre zu begrüßen, nicht nur die reißerischen Meldungen in den Medien zu sehen.

Zurück zur Relation.

Wir sprechen gegenwärtig von etwa 100 Schafen, die 2021 von Wölfen gerissen worden sind. Sagen wir, es werden noch 200 werden.

Jetzt die Zahlen ohne verlässliche Quellen, wie gesagt, andere Baustelle. Für eine grobe Betrachtung wird es schon passen und ich lasse mich gerne berichtigen.

2019 etwa 340.000 geschlachtete Schafe bei 100 Wolfsrissen.

Was „bringt“ ein Schaf Geldmäßig ein, wenn es verkauft wird? Siehe hierzu den NACHTRAG 1 am Ende des Artikels.

Und jetzt das Thema mit noch weitaus undurchsichtigeren Zahlen:

Jährlich getötete Rehkitze durch Mähdrescher:

In Österreich pro Jahr angeblich 25.000. Das ist eine ganze Menge. Ein tragischer und „unnötiger“ Tod. Doch stimmt diese Zahl? In Tirol sollen es allein 800 Rehkitze jedes Jahr sein, die auf diese Art und Weise getötet oder schwer verletzt werden.

Und irgendwie scheitert es dann an technischen Umsetzungen so ähnlich wie bei dem Toten-Winkel Problem bei abbiegenden LKW womöglich. Ich meine, diese Mähdrescher, Traktoren und LKW sehen mir nicht gerade billig aus… Brauche ich da immer ein Drohne? Und selbst wenn, mittlerweile fahren Autos selbständig! Denn was soll der Landwirt tun, der sein Korn mähen muss, wenn es reif dafür ist und das Wetter passt? Bauern leben im Rhythmus und Einklang mit der Natur, da ist mit Terminen machen nix oder wahrscheinlich nur selten.

Die Zahl von 100.000 durch Mähdrescher getötete Rehkitze in Deutschland würde da durchaus hinkommen, allerdings hat die Frankfurter Allgemeine in einem Artikel von 2018 das als offensichtlich „erfundene Zahl“ recherchiert.

Aber bleiben wir mal bei „nur“ 800 Rehkitzen in Tirol.
Wer ersetzt den Jägern den Schaden, wenn diese 800 Rehe dann weniger schießen können?

Geschweigedenn den Schaden von 25.000. Was nun? Hier fehlt es meiner Ansicht nach in der Politik bzw. in einem Ministerium an der entsprechenden Kommunikationsstrategie und Aufklärung bzw. auch Lösungsfindung. Vielleicht gibt es aber auch einfach keine pragmatische und gute Lösung, kann natürlich sein. Dann werden wir aber nicht Wölfe abschießen wegen „nur“ 200 Schafen, wenn überhaupt. Es gibt schon genug Reibungspunkte zwischen Urlaubs- und Erholungssuchenden und der Landwirtschaft.

Landwirte, die sich nach dem tragischen Tod einer Touristin durch eine Kuh hunderttausenden Euro Schadenersatzforderungen gegenüberstehen sehen. Konsumenten, die das Fleisch der glücklichen Kuh von der Weide auf den Teller wünschen, aber beim Wandern sich keiner Gefahr ausgesetzt sehen wolle, vor allem wenn diese auf markierten und „offiziellen“ Wegen gehen.

Und es gibt Kühe, die sind Menschen gewohnt und es gibt Kühe, die sind das nicht. Es gibt Geistesgestörte, die einem Social Media Trend nachgelaufen sind und Kühe erschreckt haben und es gibt Menschen, die sich Weidetieren gegenüber respektvoll verhalten.

Ja, einfach ist das alles nicht, ich hatte mich umfangreich und viel mit Landwirtinnen und Landwirten unterhalten.

Und Herdenschutzhunde, oh ja, das bringt dann neue Reibungspunkte. Die Schweiz hat eine eigene Smartphone App entwickelt, um deren Einsatz für Wanderer ersichtlich zu machen. In Italien dürfte es ein Erfolg zum Schutz von Viehherden vor dem Wolf sein, wie das mit Wanderern oder gar mit Tourengehern mit Hund als Begleitung aussieht, bleibt offen.

Die Corona App war im nu da, so schwer kann es also nicht sein.

Verantwortungsvoller Journalismus sieht anders aus, hetzt nicht wieder Menschen gegeneinander auf, sondern bemüht sich um sachliche Aufklärung.

Bevor wir aber jetzt vereinzelt Wölfe abknallen, sollte den betroffenen Schafbauern erstmal der Verlust ersetzt werden und eine strategische sowie nachhaltige Lösung erarbeitet werden. Wie gesagt, wir haben ein Wolf Science Center, verantwortungsbewusste Jäger und ebensolche Landwirte.

Ich persönlich habe keine Lösung parat, wie auch? Es braucht Menschen vom Fach und der Praxis genauso wie Akademiker, Forscher und vielleicht Visionäre. Zusammensetzen müssen sie sich halt einmal.

Die von mir aufgezeigten Relationen sollten aber zeigen, dass es zum Abschuss derzeit keine Berechtigung gibt und die Betroffenen vorerst unkompliziert unterstützt gehören.

NACHTRAG 1:

Gerade in einem TV Bericht erfahren: Der Schafbauer bekommt für ein Schaf 600 €

Haben wir 200 gerissene Schafe pro Jahr, entsteht ein Schaden in Höhe von 120.000 € Für sich alleine betrachtet, eine beträchtliche Summe.

Bei 340.000 geschlachteten Schafen pro Jahr, wäre das ein Anteil von 0,35 € pro geschlachtetem Schaf als „Aufschlag“ für eine Art „Wolfsrissfonds“

Die 0,35 € gelten für ein ganzes Schaf. Das noch aufgeteilt auf die „Portionen“ die dem Konsumenten verkauft und verrechnet werden und wir reden von ein paar Cent. Unnötig noch länger darüber zu diskutieren, die Verantwortlichen sollen sich hier um Lösungen bemühen und Schluss. Und „schnell schiessen“ ist sicher keine Lösung, das tun wir auch nicht bei Tierschändern und ähnlichem!

Nur so im Vergleich, weil ja in der Landeshauptstadt Wien gerade Autobahnrampen die „doch nicht“ genutzt werden, gerade abgerissen werden. Bei einem Preis von 6 – 27 Millionen Euro pro km Autobahn (je nach Quelle, ASFINAG meint 6 Mio. €), kann man sich die Kosten dafür leicht ausrechen. Gut, in Wien gibt es keine freilebenden Wölfe und wohl auch nicht so viel Schafe auf großen Almen 😉 auch ist das Thema Autobahn Sache der ASFINAG, aber es wird auch in den Ländern ähnliche Beispiele geben. Es geht IMMER um Relationen.

Die betroffenen Schafbauern und Landwirte verstehe ich nur zu gut, doch auch den Biber hat man gejagt und kommt nun drauf, wie wichtig er für den Klimaschutz ist.  👉 Biber: Geheimwaffe im Kampf gegen Klimaschäden

UND es gibt auch in der Viehwirtschaft genug „schwarze Schafe“, wenn man schon über die „grausamen Massaker“ des (vielleicht nur einen) Wolfes reißerisch berichtet. Hier ist eben die Wolfsforschung gefragt, denn sonst haben wir am Ende irgendeinen „Hero“ der sich unnötigerweise mit einem erschossenem Wolf auf den Social Media Kanälen rühmt. Danke, davon haben wir alle genug, braucht kein Mensch.

 

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